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Unüberlegten Äußerungen und Anonymitätswahn in der Piratenpartei – Transparenz und Datenschutz nur eine Auslegungssache?

Die Piraten setzen sich unter vielen anderen Themen insbesondere für Datenschutz und Transparenz ein. Bei manch Argumentation kann man jedoch leider zu dem Schluss kommen, dass diese beiden Punkte immer an die Stelle geschoben werden, wo sie grad zweckdienlich sind.

Webtexterei
Geht es darum, dass die HSH Nordbank großen Mist gebaut hat oder um des Volkes Nachvollziehbarkeit der Konstrukte und Aktionen anderer Parteien ist „Transparenz“ das Wort der Stunde.
Absolut richtig so. Sehe ich genau so.
Geht es allerdings einen Moment später darum eine Redakteurin oder eine ganze Zeitung zu beleidigen, oder einfach so an politischen Diskussionen teilzunehmen ist bei einigen Piraten das Wort „Transparenz“ nicht mehr erste Wahl. Dann wird sich auf den „Datenschutz“ berufen, der sie angeblich dazu legitimiert sämtliche Dinge absolut anonym zu äußern. Mit Nickname oder cryptischer Email-Adresse.
Dieses Verhalten ist m. E. absolut inakzeptabel. Ich sage nicht, dass jeder mit seinem richtigen Namen im Internet auftreten muss. Das ist ganz klar eine Datenschutzfrage und jedem selbst überlassen. Ich bin aber der Ansicht, dass man zu dem was man äußert stehen muss. Vor allem wenn man mit einem Badge der Piratenpartei twittert oder bloggt. Es kann nicht sein, dass da Äußerungen getätigt werden, welche dem Ruf der Piratenpartei definitiv schaden, nur weil vergessen wird, dass es sich hier nicht um ein albernes privates Forum oder ein PC-Spiel handelt.

Politische Aktivität
Es muss einmal nachgedacht werden über das Wort „Transparenz“. Aktive Politik ist etwas öffentliches und braucht Publikum. Sobald ich unter Piratenflagge durch die Welt twitter oder blogge sollte sich jeder überlegen in welchem Tonfall er dies tut. Sofern man den Ball flach hält und sachlich bleibt, ist Anonymität nicht das große Problem. Sobald aber Leute beginnen sich hinter dieser zu verstecken, um andere Personen zu beleidigen oder eigene krasse Meinungen unter Parteiflagge zu äußern, dann kann man an dieser Stelle auch klar „Transparenz“ verlangen, so wie wir es auch von anderen fordern. An dieser Stelle ist der Datenschutz klar vorbei, da man sich schließlich selber auf das dünne Eis begeben hat. Dazu muss man stehen. So wie es auch Helmut Kohl hätte tun müssen, als es um seine Spender ging.
Das Datenschutzargument zieht dann nicht mehr. Dieses Ass haben die Leute eigentlich verspielt, in dem sie einer Partei beitreten und mit offiziellen Äußerungen beginnen.
Politische Arbeit ist nun einmal öffentlich und das ist auch gut so. Deswegen gehört dazu auch, dass innerhalb der Partei ernsthaft unter Verwendung des Klarnamen zusammengearbeitet werden kann – Piraten sind ja kein konspirativer Kellerverein. Jeder bestimmt selbst, wieviele Daten er preisgibt. Ab einer gewissen Stufe ist es aber peinlich nicht einmal einen Landesverband oder Vornamen anzugeben. Das funktioniert einfach nicht. Zumindest nicht wenn man sich „Transparenz“ auf die Flagge schreibt.

An die Leute die jetzt nach wie vor schreien „Datenschutz“ und „Ich will nicht, dass jeder sieht wo ich politisch aktiv bin“, dem sei gesagt, dass er sich eventuell einmal überlegen sollte, warum er sich nicht einmal so weit mit der Piratenpartei identifizieren kann. Wenn man nicht einmal dazu stehen kann, dass man Mitglied der Piratenpartei ist, dann frage ich mich doch was ist da schief gelaufen?
Wir sind eine richtige Partei. Wir sind kein Bündnis für Krawalle oder Demonstrationen. Wir sind auch keine rechts- oder linksradikale Partei. Schämt ihr euch trotzdem? Oder fühlt ihr euch einfach wohl unter dem Deckmantel des „Datenschutzes“ immer mal tourreteähnlichen Formulierungen hysterisch in die Welt zu schmeissen? – anonym versteht sich.

Fallbeispiel
An dieser Stelle sei die Debatte um die Piratinnen erwähnt. Ob die Sache an sich nun thematisch berechtigt ist, bzw. Sinn macht, sei dahingestellt. Darüber sollte man reden oder es ignorieren. Als aufgeschlossene Partei würde ich das „gemeinsamen Nenner finden“ vorziehen.
Das Diskussionsverhalten von so vielen Piraten zeigt eigentlich nur, welche Unreife in jeglicher Hinsicht bei vielen Parteimitgliedern herrscht. Lena Simon steht mit ihrem Namen hinter den Piratinnen. Das Geschrei wäre groß gewesen, wenn sie es nicht mit ihrem Namen gemacht hätte.
Die lautesten, krassesten Gegner blieben aber natürlich anonym und beleidigten aus ihrem kleinen Zimmer irgendwo in Deutschland in die Welt hinaus.
Auch der Umgang mit Julia Seeliger lässt sich exemplarisch anführen. Keinen 5% der ganzen Schreihalspiraten traue ich eine konstruktive Auge-in-Auge Diskussion zu. Ich bin mir sogar sicher, dass kaum einer einem Telefonat mit Frau Seeliger standhalten würde. Außer vielleicht mit unqualifiziertem Gepöbel.
Leider sind es zur Zeit trotzdem genau diese lauten Stimmen die von Piratenseite in der Öffentlichkeit ankommen. Ein Artikel wie die der taz oder auch des Spiegels sind lediglich logische Folge. Anstatt jedoch zu überlegen, wie solche Probleme in den Griff gekriegt werden, wird weiter geschrien, wie in einem Forum von 14 jährigen verzogenen Kindern.

Liebe Piraten. Seht doch in Personen wie Julia Seeliger lieber einmal eine Chance. Die beschäftigt sich mit der Piratenpartei. Natürlich streckenweise auch kritisch. Wir sind noch eine junge Partei mit sehr vielen Kinderkrankheiten. Da muss Kritik gestattet sein. Eine vernünftige Diskussion und eventuelle Lösung der Kritikpunkte wäre doch aber an dieser Stelle dann eigentlich angebrachter als sich erneut ins Abseits zu begeben oder?
Wiegt doch einmal ab Mitglieder der Piratenpartei. Was wollt ihr wirklich? Transparente, qualifizierte, gute Politik machen unter Berücksichtung von Datenschutz und Freiheit?
Oder sucht ihr eher einen neuen Kick? Ein Alternate Reality Game namens Politik – anonym und lauthals schreiend? Intransparent und abschreckend für viele?
Ich bin gespannt, wann sich die ganzen „Trolle“ endlich ein neues Spiel suchen, weil sie merken, dass die Piratenpartei ja wirklich Politik machen und nicht nur spielen will.
Ich hoffe das passiert bald.

3 Kommentare

  1. Urban Pirate schrieb:

    Der Name der jungen Dame ist LENA Simon. Das nur als Anmerkung. Oder meinstest du Julia Seeliger? Die hat widerum nichts mit den Piratinnen zu tun.

    Dienstag, 16. März 2010 um 15:42 | Permalink
  2. werbeblogkade schrieb:

    Danke. Ist geändert.

    Dienstag, 16. März 2010 um 15:49 | Permalink
  3. digimoral schrieb:

    Guter Artikel, du hast absolut recht. Ich denke, dass viele einfach ihr “Internetverhalten” fortführen. Dass das für eine Partei eher unvorteilhaft ist zeigt sich immer wieder.
    Hoffen wir doch, dass dein Wunsch in Erfüllung geht, dann macht es dem verbleibenden “ernsten Rest” auch mehr Freude und gibt in der Öffentlichkeit ein besseres Bild ab.

    Den Zwiespalt zwischen Transparenz, Datenschutz und Anonymität werden wir aber sicherlich noch lange ausloten müssen, um letzten Endes einen guten Leitfaden zu entwickeln.

    Montag, 10. Mai 2010 um 07:52 | Permalink

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