Nun ist sie aufgelöst – die Pilgerstätte von Bloggern, Twitterern, Social-Media-Weltbewohnern und anderen Freaks. Die re:publica, hatte heute ihren letzten Tag und die Gäste reisen nach der heutigen Abschlussparty wieder nach Hause.
Vieles wurde vorgetragen. Der Input war derart groß, dass eine noch längere re:publica kaum denkbar wäre, weil einem ansonsten vermutlich der Kopf platzen würde. Ob es unterhaltsame und auch informative Vorträge von Jeff Jarvis, sehr lehrreiche von Peter Kruse, witzige aber auch bedenkliche von Sascha Lobo oder einfach nur gute Diskussionen und Vorträge von weniger “prominenten” Persönlichkeiten waren – Die re:publica hat Spaß gemacht und war gut organisiert.
Ok… Das WLAN war, wie sollte es anders sein, streckenweise hoffnungslos überlastet und ohne eigenen UMTS-Stick wäre man phasenweise sehr aufgeschmissen gewesen, aber das ist in Ordnung und wird bei vielen Veranstaltungen dieser Art einfach unterschätzt.
Insgesamt waren ca. 2500 Leute bei der re:publica. Es bleibt abzuwarten wie viele davon noch am Samstag bei dem Einzeltag der re:campaign vor Ort sind.
Nächstes Jahr bin ich jedenfalls gerne wieder mit dabei. Vor allem, weil ich tatsächlich seit Jahren zum ersten Mal wieder in Berlin war und mein Bild der Hauptstadt sich seit dem letzten Aufenthalt tatsächlich um 180 Grad gewendet hat. Die Stadt empfinde ich nun wirklich als sehenswert und angenehm. Dieses Erlebnis wiederhole ich gerne.
Nach aller Lobhudelei muss natürlich aber auch Kritik kommen. Sascha Lobo machte sich in seinem Vortrag etwas lustig über die Käufer eines Business Tickets. Dies will ich jedoch nicht kritisieren. Es ist logischerweise völlig ok und sein gutes Recht.
Meine Kritik geht an dieser Stelle an das Preis/Leistungsverhältnis der Businesstickets. Als “EarlyBird” kauften wir die Businesstickets für 350 Euro pro Stück. Bereits im November. Dies taten wir aus unterschiedlichen Gründen. Zum einen ging es um Essen. In den Businesstickets ist Essen inklusive gewesen. Zu bekommen in der sogenannten Businesslounge. Dies war für uns ein Argument, da eine einmalige Rechnung entspannter als Firma steuerlich geltend gemacht wird. Zumindest besser als jedes kleine Essen, welches man über den Tag verteilt zu sich nimmt. Außerdem war die Hoffnung, dadurch Geld zu sparen. Ein weiterer Gedanke war jedoch aber auch, dass wir gerne gute Ideen und Projekte unterstützen. Diese müssen auch finanziert werden. Also investierten wir lieber in die Businesstickets, als zu versuchen möglichst billig auf die re:publica zu gelangen.
Leider wurde unser Bild der Businesstickets ziemlich getrübt durch die Leistung, welche wir für den Aufpreis erhalten haben.
Einige Beispiele des ersten und zweiten Tages. Am dritten probierten wir die Businesslounge gar nciht mehr aus, da sie bereits um 14 Uhr geschlossen war. Kaffee gab es zwar gratis. Leider nur Filterkaffee in sehr großen Warmhaltern mit Zapfhahn, welche den frischen Geschmack nicht gerade förderten. Den Kaffee gab es aus kleinen Kantinentässchen, welche bestenfalls für ein Alibi-Käffchen (nicht to go) reichten. Veredelt mit Industriesahne aus kleiner Plastikpackung war dieser Kaffee tatsächlich keiner für den sich der Aufpreis der Businesstickets irgendwie gerechtfertigt hätte. Nächster Punkt war das Essen. Ohne beleidigen zu wollen: es erinnerte jedoch eher an eine Jugendherberge. Nicht wirklich schlecht. Aber auch bei weitem keinen Aufpreis wert. Besseres Essen ist beim barcamp in Hamburg (wie auch Trinken) kostenlos. Bier gab es zu Anfang in der Businesslounge gar nicht und musste an einem normalen Tresen zu normalem Preis gekauft werden. Rein rechnerisch also war mein Vorteil in der Businesslounge pro Tag bei maximal 5-10 Euro. Vermutlich eher niedriger. Wenn die Veranstalter mehr dafür bezahlen mussten sollten sie noch einmal mit dem Catering sprechen woraus sich ein höherer Preis angeblich zusammensetzen soll.
Am zweiten Tag war ab 18 Uhr die Businesslounge dann auf einmal komplett geschlossen. Eigentlich sollte dann ein Phillips Event starten. Davon sah man jedoch um 19 Uhr nichts.
Lange Rede kurzer Sinn. Dafür dass Businessticket-Kunden eigentlich sehr wichtig sein sollten, da sie einfach finanziell wichtig sind, bemerkte man leider, dass das Angebot ausserhalb der Businesslounge viel besser war. So trank man seinen Kaffee wesentlich lieber bei dem Fairtrade Kaffeewagen der taz und hat doch lieber in der angrenzenden Gastronomie gegessen.
Für den Aufpreis eines Businesstickets wäre es leicht möglich einen tatsächlichen Mehrwert zu schaffen. Dann würden vermutlich auch mehr dieser Tickets verkauft werden.
Eine Anmerkung noch. Wir kauften dieses Ticket nicht um mit anderen “wichtigen Leuten” vom Pöbel abgegrenzt Geschäfte zu machen. Für uns waren die oben geschriebenen Gründe tatsächlich ausschlaggebend.
Also ihr lieben von Spreeblick und dem restlichen Orgateam. Bitte nehmt euch diese Kritik zu Herzen. Wir kaufen uns gerne nächstes Jahr aus den gleichen Gründen wie dieses Jahr ein Businessticket. Dafür sollte jedoch dann klarer sein wie sich dieser höhere Preis rechtfertigt.
Ansonsten hat uns die re:publica 2010 gut gefallen. Vielen Dank!


Ein Kommentar
Du hast recht: Da muss nachgebessert werden. Einige Punkte hatten wir auch schon aufgeschrieben, andere haben wir jetzt nach deinem Artikel notiert. Danke dafür, es kommt an!
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